Experten zeigen Entwicklung der Stahlpreise bis Herbst 2022 auf

Der Stahlpreis für warmgewalzten Stahl war 940-950 Euro je Tonne ex-works Ruhr am 9. Juni 2022. Auf dem italienischen Markt lag der durchschnittliche Verkaufspreis bei 875-890 Euro. Mit Blick auf die Stahlpreisentwicklung sei wegen der geringen Stahlnachfrage von Distributoren und Endverbrauchern eine "Abwärtsstimmung" auszumachen, berichtet Platts.

Die meisten Experten gingen davon aus, dass der Warmbandpreis nicht unter 900 Euro je Tonne sinken werde. Dann würden die Stahlhersteller nämlich Verluste machen, erläutert Fastmarkets. Überdies verdichteten sich die Anzeichen, dass Distributoren Ende Juni und im Juli 2022 ihre Lager aufstockten. Dies würde die Stahlpreise stabilisieren.

"Bei den europäischen Stahlpreisen erwarten wir noch leichte Rückgänge bis Jahresmitte und eine Seitwärtsbewegung der Spotpreise im zweiten Halbjahr", prognostiziert die Deutsche Industriebank (IKB). Hohe Energiekosten und Vormaterialpreise stünden einer Fortsetzung des Abwärtstrends entgegen.

Die Metallberatungsgeschellschaft MEPS weist auf volle Lager hin. Sie seien durch Hamsterkäufe aufgrund des Kriegsausbruchs verursacht worden. Mit Blick auf die Stahlpreise kommentiert MEPS: "Der steile Anstieg der europäischen Stahlpreise, welcher durch die russische Invasion in der Ukraine verursacht wurde, kam Ende April und Anfang Mai ins Stocken."

An einen Aufwärtstrend der Stahlpreise sei über den Sommer nicht zu denken, zeigt ein von Argus bereitgestelltes Research-Papier zur Entwicklung der europäischen Flachstahlpreise. Juli und August seien in der Regel ruhige Monate, in denen die Preise nicht stiegen, heißt es darin.

Eine Ausnahme bildete der Sommer 2021, in dem der Stahlpreis für Warmband auf ein damaliges Rekordhoch von 1.190 Euro hochgeschossen war. Ursache waren Lieferkettenprobleme und akute Materialenpässe. Die Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen hatte sich rapide erholt.

Fazit und Ausblick

Experten aus der Stahlbranche rechnen mit einem leichten Rückgang der Stahlpreise bis Ende Juni 2022, gefolgt von einer Seitwärtsbewegung im Juli und August. Was danach passiert, darüber herrscht Uneinigkeit.

Optimisten erwarten einen Konjunkturaufschwung und steigende Stahlpreise im Herbst 2022. Aus der Sicht der Pessimisten werde sich die Wirtschaftslage nicht verbessern. Es laufe vielmehr auf eine Stagflation, also einer stagnierenden Wirtschaftsentwicklung zusammen mit einer hartnäckig hohen Inflation, hinaus.

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