Aktuelle Stahlpreise je Tonne (1.000 kg) zu Ostern 2022

Der Stahlpreis für warmgewalzten Stahl fällt in Deutschland, Benelux und Frankreich trotz fortschreitendem Ukraine-Krieg um 62 Euro auf 1.350 Euro je Tonne, meldet Steel Benchmarker per 11. April 2022. Es war der erste Rückgang der im 2-Wochen-Rhythmus erhobenen Stahlpreisentwicklung seit Mitte Februar 2022. Seinerzeit gab es einen Abschlag um 19 Euro.

"Die Preise werden korrigieren müssen. Deutlich günstigeres Material ist verfügbar, zum Beispiel aus China", zitiert Platts einen Distributor. Einige würden nun in Erwägung ziehen Stahl aus Drittstaaten zu kaufen. Auch unter der Einberechnung der Importkosten (Schutzklauselmaßnahmen, Transport) könnten solche Lieferungen immer noch mit europäischem Stahl preislich konkurrieren.

Allerdings gestaltet sich der Umstieg auf Importstahl in der Praxis schwierig. Der von europäischen Herstellern oftmals zertifizierte Stahl ist schwer im Ausland zu finden. Daher ist der von günstigerem Importstahl ausgehende Abwärtsdruck auf die europäischen Spotmarktpreise begrenzt.

Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich die Stimmung sehr stark eingetrübt. Der vom ifo-Institut erhobene Geschäftsklimanindex sank im März 2022 so stark wie noch nie. Die Erwartungen der Unternehmen haben sich von Optimismus in deutlichen Pessimismus umgekehrt. In den Chefetagen wird der Geschäftsausblick "als extrem unsicher" eingestuft, erläutert ifo-Präsident Clemens Fuest.

Diagramm Stahlpreisentwicklung warmgewalzter Stahl Euro/Tonne Westeuropa

Das erste Quartal 2022 war zunächst geprägt von einem moderaten Anstieg der Stahlpreisentwicklung für Warmband. Zwischen Ende 2021 und Mitte Februar 2022 erhöhte sich der Warmbandpreis von 923 Euro auf 982 Euro (+6,4%). Dann kam der von vielen nicht für möglich gehaltene Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Infolge kletterte der Preis extrem steil auf 1.412 Euro (+44%) bis Ende März.

Langerzeugnisse, US-Warmband

Ebenfalls erheblich verteuert hat sich Betonstahl. In Nordeuropa kostete es im Schnitt 1.300 Euro je Tonne per 13. April 2022. Im Gegensatz zum EU-Spotmarkt für Flacherzeugnisse dürften die Betonstahlpreise bisher nicht gegipfelt haben. Einige Betonstahlhersteller zögen nach Ostern Preiserhöhungen in Betracht, meldet Fastmarkets begleitend zu der Preisfeststellung.

Auf dem US-Flachstahlmarkt setzt sich der Preisanstieg fort. Die Preise liegen aber noch nicht so weit auseinander wie in in der ersten Oktoberhälfte 2021. Damals hatte der Stahlpreis für das oft in Elektrolicthbogenöfen hergestellte US-Warmband um 816 Euro je Tonne über dem europäischen gelegen.

Aktuell liegt der US-Warmbandpreis bei 1.567 US-Dollar/1.451 Euro je Tonne (1.000 kg). Der Euro hat sich in den letzten Wochen merklich auf 1,08 US-Dollar abgeschwächt.

Auch im Verarbeitenden Gewerbe der Vereinigten Staaten hat sich die Stimmung eingetrübt. Allerdings ist die Lage bei weitem nicht so dramatisch wie in Europa. Der ISM-Einkaufsmanagerindex sank lediglich um anderthalb Punkte auf 57 Zähler. Der Index ist damit weiterhin deutlich über der Schwelle von 50 Punkten, ab der Wachstum angezeigt wird.

In den USA beträgt der Anteil der Autohersteller an der Stahlnachfrage 26%. Danach dürften bereits die Rüstungsunternehmen des Landes kommen, die nicht zuletzt wegen des jährlichen Verteidigungsetats von rund 800 Milliarden Dollar viel Stahl nachfragen. Die Geschäftsaussichten von Rüstungsfirmen haben sich wie in Deutschland wegen des Kriegs merklich verbessert.